Darf man mit Twitter Geld verdienen?
September 28th, 2008 by Kirsten Erlenbruch
Für viele Menschen ist Twitter immer noch reine Zeitverschwendung oder Spielerei, besonder deshalb, weil sich mit Twitter (und allen “Ablegern” wie z.B. Plurk, etc.) ihrer Meinung nach kein Geld verdienen lässt.
Nun ja. Wenn Sie mit einem potentiellen Kunden ein erstes Gespräch führen, werden Sie mit großer Wahrscheinlichkeit auch erst mal kein Geld verdienen, aber gut. Lassen wir mal bei Seite, dass ich der Meinung bin, dass viele Menschen den tieferen Sinn und Zweck von Twitter noch nicht wirklich erfasst haben.
Dennoch ist die Frage nach der Monetarisierung von Twitter nicht von der Hand zu weisen und auch Twitter selbst denkt natürlich darüber nach, wie sich ihre tolle Idee denn nun auch irgendwann mal in bare Münze verwandeln lässt (zumindest die Investoren wird das brennend interessieren).
Adjix ist da auf eine scheinbar clevere Idee gekommen. Da Twitter pro Tweet (Nachricht) nur 140 Zeichen zulässt, werden lange URLs gerne abgekürzt und das oft durch Drittanbieter, die so genannte Tiny URLs (also kleine Webadressen) daraus machen. Das ist praktisch.
Adjix bietet jetzt einen Service an, Tiny URLs zu erstellen, die mit Werbung versehen sind. Das sieht dann so aus, dass Adjix am oberen Seitenrand der zur URL gehörenden Webseite, Werbung einblendet. Vorab kann man aus unterschiedlichen Sachgebieten auswählen, damit die Werbung auch zum Thema der Seite passt.
Fleissige Twitterer sehen an dieser Stelle vielleich schon die Dollars sprudeln. Langsam, langsam: Man muss schon eine recht große Zahl an Followern haben, damit sich das rechnet. Adjix zahlt US$ 0,10 pro 1.000 uniqe link views und US$ 0,20 für jeden unique click-through.
Also, 1.000 unterschiedliche Menschen (mit unterschiedlichen IP-Adressen) müssen den Link anschauen um 10 US Cent zu verdienen und jeder der tatsächlich durchclickt bis zum beworbenen Produkt (allerdings nur einmal von jeder IP-Adresse) ist nochmal gut für weitere 20 US Cent.
Jemand, der, wie z.B. der amerikanische Präsidentschaftskandidat Obama mehr als 86.000 oder wie Podcaster Leo Laporte mehr als 56.000 Follower hat, könnte da eventuell auf seine Kosten kommen. Meinereiner mit derzeit 310 Followern braucht darüber wohl gar nicht erst ernsthaft nachzudenken (wohl auch nicht wenn die Follower im drei- bis vierfachen Bereich liegen).
Diese Art der Monetarisierung hat darüber hinaus für viele Diskussionen in der Blogosphäre gesorgt. Viele Blogger und Twitterer waren (und sind) mit diesem Konzept nicht glücklich und gehen davon aus, dass, sollte diese Methode Schule machen, nur mehr wenige Lust haben, überhaupt noch auf in Tweets gepostete Links zu clicken. Das würde natürlich einen ganz wichtigen Bereich von Twitter - die Weitergabe von relevanten Informationen an eine größere Gruppe (und dazu gehören nun mal auf jeden Fall URLs) - mehr oder weniger ausschalten und könnte letztlich wohl die ganze Idee Twitter ins Wanken bringen.
Jetzt kann man sich die Frage stellen: Muss denn jeder einzelne mit jeder im Web verfügbaren Anwendung immer gleich und sofort Geld verdienen. Vielleicht nicht, aber die Betreiber solcher Anwendungen werden es früher oder später eben doch müssen und es bleibt abzuwarten, welchen Weg Twitter hier einschlagen wird. Dass eine Monetarisierung passieren wird, daran dürfte wohl kein Zweifel bestehen.
Zur “Ehrenrettung” von Adjix sei gesagt, dass die Werbung, die auf den verlinkten Seiten gezeigt wird, zumindest bislang, wirklich sehr klein und dezent ist. Wohlgemerkt: Bislang!
This entry was posted on Sunday, September 28th, 2008 at 9:05 am and is filed under Uncategorized. You can follow any responses to this entry through the RSS 2.0 feed. You can leave a response, or trackback from your own site.