Prognosen für 2010
January 4th, 2010 by Kirsten Erlenbruch
Hot or not? Was wird die Web 2.0-Welt in 2010 beschäftigen, was werden die Trends des neuen Jahres sein? Hier ein paar Prognosen (die wir dann ja in 361 Tagen auf Richtigkeit überprüfen können:
- Smartphones / IPhone
Die Jagd auf das IPhone ist eröffnet, 2010 wird das Jahr der Smartphones, die alle, alle, aller versuchen werden, dem IPhone den Rang abzulaufen. Mein Prognose: Das wird in 2010 (noch) nicht gelingen. Dafür hat Apple einen zu großen Vorsprung und das nicht nur technisch, sondern nicht zuletzt durch ihren App-Store. Klar ist aber, dass das Internet (und alles, was dazu gehört) mobil wird, oder besser gesagt, noch mobiler. - Apps
Apps (also Zusatzapplikationen) sind “the next big thing”. Kaum noch ein Gerät, was ohne “Apps” daher kommt, seien sie schon vorinstalliert oder “hinzubuchbar”. Aus “dazu gibt es doch bestimmt was im Internet” wird in Kürze “dafür gibt es doch bestimmt eine App”. So bekommt jeder Nutzer sein individualisiertes Gerät, was er allerdings auch teuer bezahlen muss, denn längst nich alle Apps sind kostenfrei. - Der “richtige” Preis
Von den Apps zum Preis ist es nur ein kleiner Sprung mit einer kleinen Kopfrechenaufgabe. Wenn eine App im ITunes Store € 0,99 kostet, Apple davon 30% erhält (somit also € 0,33) und der Anbieter sich den fulminanten Rest noch mit seinem Entwickler teilen muss, dann bleiben für ihn (wer hat mitgerechnet??) - ja genau, gerade mal € 0,33 pro verkaufter App (vor Steuern versteht sich). Wer glaubt, damit über Nacht reich zu werden, der glaubt wahrscheinlich auch an einen Millionengewinn im Lotto. Tatsache (und das ist auch gut so) ist, dass sich das “Kostenlos-Web” langsam zu einem “Bezahl-Web” wandelt. Viele Anbieter kostenfreier Web-Dienstleistungen bieten längst schon bezahlte Premium-Dienste an, während andere noch händeringend nach einer Monetarisierungsmöglichkeit suchen (siehe Twitter). Premium Inhalte, Premium Dienstleistungen kann es langfristig nicht kostenlos geben - allerdings auch nicht zu Dumpingpreisen. Gute Qualität hat ihren Preis, auch im Internet und das sollte jeder Anbieter (und alle, die es werden wollen) nicht aus dem Auge verlieren. - Medien
Die Musikbranche jammert (allerdings schon länger), die Verkäufe von CDs und DVDs gehen immer weiter zurück, die bösen Buben und Mädchen laden sich alles (nicht immer legal) aus dem Internet auf Rechner und mobile Geräte oder tauschen Dateien untereinander. Bevor wir jetzt alle in Tränen ausbrechen: Das gab es immer schon. Wer hat nicht als Teenager vor dem Radio gelauert, bist der Lieblingssong gespielt wurde und hat diesen dann auf Kassette mitgeschnitten. Und diese Kassetten wurden dann im Freundeskreis vielfach kopiert. Trotzdem hat die Musikbranche überlebt - bisher. Richtig ist allerdings, dass sich das Medium geändert hat - statt CD oder DVD nun eben der Download bei ITunes etc., bezahlt, versteht sich. Einige, clevere Musiker haben begonnen ihre Musik selbst zu vermarkten (unter völliger Umgehung der kompletten Musikbranche) und haben damit bereits Millionen verdient. Ein Klacks für die Musikriesen, ein enormer Unterschied für die Musiker, die sonst von den eingenommenen Millionen nur einen kleinen (meist den kleinsten) Teil abbekommen. Also, nicht jammern, sondern was verändern.
Gleiches gilt für Zeitungen und Zeitschriften - auch hier haben viele Verlage schlicht und einfach den Trend verschlafen und sind jetzt mit allen gram und böse. Einige sind früher aufgewacht und haben die Konsequenzen gezogen: Inhalte ins Internet, Inhalte für jeden Nutzer personalisiert, Inhalte nach Nischen sortiert, etc. Na also, geht doch.
Und zu guter Letzt - Bücher. Wie oft die totgesagt wurden, kann schon gar nicht mehr gezählt werden - es gibt sie immer noch und es wird sie auch weiter geben. Aber zusätzlich wird es eben auch Ebooks geben, was die Amazon Verkaufszahlen eindrucksvoll beweisen. Am 1. Weihnachtsfeiertag 2009 wurden bei Amazon USA erstmals mehr Ebooks als Bücher verkauft. Das Ebook wird sich neben dem Buch etablieren, mehr noch, wenn die dazugehörigen Reader komfortabler werden. - Fernsehen und Video
Pay-TV ist tot - oder liegt zumindest im Sterben. Ich behaupte, dass das Fernsehen ihm in Kürze (wenn auch noch nicht in 2010) folgen wird. Der Nutzer der Zukunft wird sich die gewünschten Inhalte aus dem Internet laden, durchaus bezahlt, aber eben nach den persönlichen Vorlieben. Das wird dann zwar durchaus noch über das Fernsehgerät (oder entsprechend große Bildschirme) konsumiert, aber Pay-TV-Kanäle gehen einer düsteren Zukunft entgegen. Dieser Trend hat in den USA bereits eingesetzt und wird sich hier alsbald fortsetzen - die finanziellen Dauer-Schwierigkeiten von SKY sprechen da heute schon Bände. - Nischen
Wer mit seinem Angebot überleben will, muss damit ins Internet, das ist bereits seit Jahren so, ist aber nicht mehr ausreichend. Wer heute (und in Zukunft) mit seinem Angebot überleben will, muss sich eine lukrative Nische suchen. Also keine Angebote mehr für Jeden und Alle, sondern für klar definierte Zielgruppen. Individualisierung ist das Zauberwort des kommenden Jahrzehnts. Wohl dem also, der sich rechtzeitig seine Nische(n) gesucht und dafür gesorgt hat, dass er diese dominiert. Das verschafft einen Vorsprung ähnlich dem von Apple, auch wenn man sich auf diesen Lorbeeren nicht allzu lange ausruhen sollte.
Sind wir also gespannt, was uns die kommenden Monate so bringen werden. Ich persönlich freue mich drauf.
Alles Gute für 2010!
This entry was posted on Monday, January 4th, 2010 at 10:15 am and is filed under News. You can follow any responses to this entry through the RSS 2.0 feed. You can leave a response, or trackback from your own site.

