Ein Jahr voller Fehler
January 5th, 2010 by Kirsten Erlenbruch
Mein Vorsatz für 2010? Jeden Tag mindestens 1 Fehler machen!
Warum?
Ganz einfach: Kurz vor Weihnachten war ich bei meinem Kunden und da war gerade mächtig was schief gegangen. Eine Mitarbeiterin hatte den Termin für einen internationalen Conference Call falsch interpretiert und nun war der Chef eine Stunde zu spät dran. Heftiges Gebrüll am Telefon und die Frage: “Wer zum Teufel ist dafür verantwortlich” folgten.
Jetzt dient die Frage nach der Verantwortlichkeit letztlich nur einem Zweck und sollte daher lauten: “Wen kann ich jetzt anbrüllen, ohne ein schlechtes Gewissen haben zu müssen?” Ich empfehle in diesen Fällen, einfach das Fenster zu öffnen und aus ebendiesem hinauszubrüllen. Das führt unweigerlich zur Abkühlung des Gemüts und die Mitarbeiter können in der Zwischenzeit weiterarbeiten und vor allem, herausfinden, warum der Fehler passiert ist. Denn das ist ja der springende Punkt - nicht die Verantwortlichkeiten.
Chefs, die ihren Mitarbeitern verbieten Fehler zu machen (oder Fehler ahnden wie Schwerverbrechen), berauben nicht nur ihre Mitarbeiter, sondern den gesamten Betrieb eines wichtigten (wenn nicht des wichtigsten) Faktors, nämlich des Lerneffekts.
Mitarbeiter und Firmen, die nicht (mehr) lernen, entwickeln sich aber auch nicht weiter und das führt, früher oder später in eine Sackgasse.
Kein Mensch macht gerne einen Fehler und nur in den aller seltensten Fällen werden Fehler absichtich gemacht. Das “Fehler machen” schlecht ist, lernen wir schon in der Schule - und das ist grundlegend falsch. Denn nie lernt der Mensch so schnell und so nachhaltig, wie aus seinen Fehlern. Die Vermeidung von Fehlern führt nur dazu, dass wir schön in unserer Komfortzone bleiben und jedes Risiko weitgehend vermeiden. So kann man zwar durchs Leben schleichen, wird aber über Mittelmässigkeit kaum raus kommen - und das ist schade.
Ich bin von Natur aus faul und daher auch nicht scharf auf Fehler - wegen der dann meist anfallenden doppelten Arbeit. Aber ich weiß aus eigener Erfahrung, dass jeder einzelne Fehler, und mag er noch so unangenehm und schmerzhaft gewesen sein, mich weiter gebracht hat, als alles, was ich leicht und gut auf Anhieb erledigt habe.
Mein Vorsatz für 2010 ist also: So viele Fehler wie möglich und damit so viel (Weiter-)Entwicklung wie möglich.
Und danke, lieber Kunde, für dieses wunderbare Lehrstück noch zum Jahresende :-))
This entry was posted on Tuesday, January 5th, 2010 at 10:15 am and is filed under Strategie. You can follow any responses to this entry through the RSS 2.0 feed. You can leave a response, or trackback from your own site.

