Lennart Paulsen hat bis vor wenigen Monaten im Team von Google in Hamburg gearbeitet, als Account-Manager für Adwords. Er ist also ein Insider und er teilt sein Insider-Wissen freundlicherweise auf seinem Weblog freigiebig mit der Welt.
Und genau da bin ich über einen ganz interessanten Blogpost gestolpert. Paulsen berichtet nämlich, dass die Beiträge seines Blogs (der bei blogger.com erstellt wurde aber unter seiner eigenen Domain läuft) innerhalb von nur 16 Minuten bei Google geindext werden und somit dort zu finden sind.
Warum das so interessant ist? Ganz einfach, denn das beweist,
dass Google erheblich schneller beim Indexen geworden ist (was uns allen zu Gute kommt)
dass Google nach wie vor Bloginhalte besonders schätzt (nach Videos) und für relevant einschätzt
dass es relativ egal ist, welche Blogplatform man für seinen Blog nutzt. Auch wenn die Erfahrungen vielleicht zeigen, dass es mit Wordpress noch ein wenig schneller geht.
dass es allerdings immer noch darauf ankommt, halbwegs verständliche Permalinks zu generieren (z.B.: www.Ihr-Blog.de/2008-09-24/mein-aktueller-Blogpost), mit denen Google auch was anfangen kann.
Die “herkömmliche” Webseite und/oder die Landing Page sind nicht tot (noch nicht wenigstens), aber wer rasch und effizient im Google-Ranking steigen will, der wird um einen Weblog (wenigstens zusätzlich) langfristig nicht herumkommen.
Technorati veröffentlicht derzeit in 5 Teilen über die nächsten Tage die Ergebnisse seiner aktuellen Blogger-Studie 2008 und kommt zu äußerst interessanten Resultaten. Hier in Kürze:
Eine Untersuchung von Universal McCann aus März 2008 ergibt, dass weltweit mittlerweile 184 Millionen Menschen einen Weblog gestartet haben. Davon allein 26,4 Millionen in den USA.
346 Millionen Menschen weltweit lesen Blogs (60,3 Millionen in den USA), das heißt, dass 77% der aktiven Internet-Nutzer Weblogs lesen.
Was ist ein Weblog?
Ein Weblog oder kurz: Blog ist eine, für gewöhnlich von einer Einzelperson unterhaltene Webseite mit regelmäßigen Einträgen wie Kommentare, Berichte, Videos, Grafik, Bilder oder andere Inhalte. Für gewöhnlich werden die Inhalte dabei in umgekehrt chronologischer Reihenfolge dargestellt.
An der Technorati-Umfrage haben Blogger aus 66 Ländern auf 6 Kontinenten in 81 Sprachen teilgenommen.
Die teilnehmenden Blogger bloggen im Durchschnitt seit 3 Jahren und generieren dabei fast 1 Million Eiinträge (kurz: Posts) jeden Tag.
Hoch interessant ist der finanzielle Aspekt, denn die Blogs der Befragten sind durchaus profitabel:
Ein Großteil der untersuchten Blogs hat Werbung auf den Seiten.
Diejenigen Blogger, die Werbung auf Ihren Weblogs unterhalten, investieren im Durchschnitt jährlich US$ 1.800,00 aber
diese Investition zahlt sich aus: Die durschnittlichen jährlichen Einkünfte aus diesen Blogs betragen US$ 6.000. Blogs mit 100.000 und mehr Besuchern im Monat erwirtschaften sogar ein Vielfaches, nämlich US$ 75.000,00 und mehr pro Jahr.
Es gibt sie also, die Blogger, die von Ihren Weblogs leben können und sogar ganz ordentlich.
In Asien sind es offensichtlich hauptsächlich die Jungen, die sich mit Weblogs beschäftigen. Hier sind 73% zwischen 18 und 34 Jahre alt (in den USA nur 42% und in Europa 48%).
Auch beim Familienstand weicht Asien erheblich ab. Hier sind mehr als die Hälfte der Befragten Single (57%), in USA und Europa jedoch nur ein Drittel (26% und 31%). Verstärktes Bloggen scheint hier also nicht notgedrungen zur Vereinsamung zu führen.
Interessant ist, dass die Mehrheit aller Blogger offensichtlich männlich ist, in Europa und Asien sogar nahezu zwei Drittel (73%), in den USA immerhin noch etwas mehr als die Hälfte (57%). Weltweit liegt der Anteil bloggender Männer bei 66%.
Erstaunlich finde ich, dass die Zahl durchschnittlicher monatlicher Besucher in den USA am geringsten ist (da hätte ich weitaus mehr geschätzt), nämlich 18.000 gegen 24.000 in Europa und sogar 26.000 in Asien (wo die jungen Leute ganz offensichtlich bloggen und Blogs lesen, was das Zeug hält…).
Dabei verfügen die meisten Blogger (nämlich 70%) über einen College-Abschluss, sind also gebildet und haben ein gutes Einkommen: 4 von 10 haben ein jährliches Haushaltseinkommen in Höhe von US$ 75.000,00 und mehr und immerhin jeder vierte kann über ein jährliches Haushaltseinkommen von US$ 100.000,00 und darüber verfügen (wobei sich dieses Einkommen nicht notwendigerweise aus den Aktivitäten des Weblogs ergeben muss).
Weblogs sind ein globales Phänomen, gebloggt wird mittlerweile weltweit, wobei 48% der befragten Blogger aus den USA waren, 27% aus Europa, 13% aus Asien 7% aus Südamerika (wohl noch ein Blogger-Entwicklungsland) und 3% aus Australien. Interessant ist hierbei, dass jedoch 73% in Englischer Sprache bloggen.
Kurzes Fazit:
Weblogs sind keine kurzfristige Zeiterscheinung des “Mitmachwebs”, sondern haben sich als eigene Autoritäten im Internet etabliert. Bislang sind Blogs jedoch noch eine Männerdomäne (erstaunlich, wo es doch die Mädchen sind, die Tagebuch führen - was wird aus Euch später, Mädels??). Gebloggt wird zum Großteil in Englisch (wohl um eine größere Leserschaft zu erreichen und besser monetarisieren zu können) und mehr und mehr Blogger platzieren Werbung auf ihren Seiten von denen ebenfalls mehr und mehr Blogger auch leben können.
Weblogs sind somit für die Werbeindustrie eine interessante neue Größe geworden und bieten einer steigenden Zahl von Menschen die Möglichkeit oftmals von zu Hause aus Geld zu verdienen, ja sogar ganze Familien zu ernähren. Und dazu müssen Blogger nicht einmal in der Nähe von Ballungszentren oder großen Städten leben, sondern sind, technische Gegebenheiten vorausgesetzt, unabhängig vom Standort.
Die komplette Studie können Sie übrigens (auf Englisch) bei Technorati einsehen.
Im Ernst, kann jemand wirklich so heißen? Merlin? Ich weiß es nicht, aber dass Merlin Man ein Zauberer der Worte und des Vortrags ist, das weiß ich spätestens seit seinem Vortrag bei IZEAfest.
Es ging, was sonst, ums Bloggen. Was braucht ein guter Blogger, was ist notwendig, um einen wirklich guten Blog zu unterhalten.
Seine Antwort hier im Original (die passt übrigens in einen Twitter-Feed, was kein Zufall ist):
“Find your obesession. Every day, explain it to one person you respect. Edit everything, skip shortcuts and try not to be a dick.”
In Kürze, Merlins Tipps zusammengefasst:
Bloggen Sie über ein Thema, das Sie wirklich, wirklich interessiert. Ein Thema, für das Sie Leidenschaft entwickeln können. Dabei, so sein Rat, ist es zu Beginn gar nicht so ausschlaggebend ob und wie viel Sie über das Thema wissen. Hauptsache ist, Sie sind voll und ganz bei der Sache.
Noch besser, wenn Sie ein Thema gefunden haben, mit dem sich nicht die halbe Welt schon beschäftigt. Letztlich ist das aber, so Merlins Ansicht, dann doch Nebensache sofern, siehe oben, die Leidenschaft stimmt.
Es gibt diese kleine Übung: Erklären Sie jemanden, den Sie nicht kennen und der Sie nicht kennt, was Sie tun (womit Sie sich beschäftigen, was Sie verkaufen, etc.) und zwar innerhalb von 30 Sekunden - eine Zeitspanne, die man in amerikanischen Aufzügen zubringt (in euroäischen wohl etwas weniger in Ermangelung von ausreichend Stockwerken…). Will heißen: Bei jedem Blogeintrag, denken Sie an Ihre Leser, kommen Sie mit Ihrem Thema noch “rüber”?
Bloggen geht schnell und verleitet dazu, ein wenig “schlampig” zu werden. Es zahlt sich aber auf Dauer aus, wenn Ihre Blogposts auch eine entsprechende Qualität haben. Vor dem Veröffentlichen also noch mal lesen, noch mal verbessern, im Zweifelsfall nochmal drüber schlafen (shame on me, mache ich auch nicht immer…)
Vermeiden Sie “Abkürzungen”, will heißen: Bleiben Sie ehrlich. Schreiben Sie nicht über etwas, nur weil Sie sich mehr Traffic davon versprechen, wenn Sie nicht voll und ganz dahinter stehen.
Und versuchen Sie, kein … zu sein. Seien Sie kontrovers, vertreten Sie eine eigene Meinung, aber bleiben Sie fair. Kurz: Benehmen Sie sich wie ein zivilisierter Mensch ;-))
“Content is king - voice is queen!”
Ja, es kommt auf den Inhalt Ihres Blogs an. Wenn der Inhalt nicht interessant, informativ, lustig, amüsant, kontrovers, oder was auch immer ist, wird Ihr Blog keine oder nur sehr wenige Leser finden. Wenn Sie aber keine eigene Stimme entwicklen, wird Ihr Blog, wie gut der Inhalt auch immer sein mag, Leser verlieren.
“What is the one thing only you can do?”
Was ist es, was Sie so einzigartig macht? Was ist es, das Ihren Blog so einzigartig macht? Warum können nur Sie diesen Blog so schreiben?
Eine Menge Fragen, die man sich alle stellen sollte bevor (!) man einen Blog beginnt - was übrigens, meiner Erfahrung nach, die wenigsten tun. Trotzdem ist es sinnvoll.
Worin ich dem guten Merlin, und sein Vortrag war wirklich auch stilistisch eine Freude, allerdings nicht zustimmen kann, ist seine Behauptung man müsse sich um Traffic, SEO, etc. überhaupt keine Gedanken machen. Ich befürchte, ganz so einfach ist es heutzutage nicht mehr. Richtig ist jedoch sicher, dass man sich davon nicht “abschrecken” lassen sollte.